Felix Mendelssohn Bartholdys, 1846, Ölgemälde von Eduard Magnus (1799—1872), Staatsbibliothek zu Berlin

»Zwischen Bach und Klesmer: Die Familie Mendelssohn und das jüdische Musikleben im Berlin der 1830er Jahre«

Musik-Werkstatt mit Konzert und Gespräch

Sonntag 12. Juni 2022
16.00-18.00 und 19.00-21.00 Uhr

Location:
Alexander und Renata Camaro Stiftung, Berlin
Potsdamer Straße 98A, 10785 Berlin
Eintritt frei


Jascha Nemtsov, Klavier, Vortrag und Moderation
Nur Ben Shalom, Klarinette

»Er ist ein wahres Phänomen; – ein Mordskerl, der an Vortrag und Fertigkeit keinem Virtuosen der Welt nachzustehen braucht… Übrigens habe ich mich seit langer Zeit in einem Concert nicht so unterhalten, wie in diesem, weil er eben ein wahres Genie ist«. Die enthusiastischen Worte Felix Mendelssohns an seine Mutter sind insofern außergewöhnlich, als sie einem Volksmusikanten gelten, der keine Musikausbildung genoss und nicht einmal die Noten kannte: Michael Joseph Gusikow (1806–1837) war ein jüdischer Klezmer, der 1835 nach Westeuropa kam. Durch Mendelssohns Vermittlung wurde damals Gusikows Gastspiel in Berlin organisiert.

Der Workshop und das anschließende Konzert thematisierten außerdem mehrere weitere Aspekte der Berliner jüdischen Musikkultur jener Zeit, die alle mit der Familie Mendelssohn verknüpft waren. Es ging nicht zuletzt um den Bach-Kult, der in der Familie Mendelssohn von Sara Levy, geb. Itzig (1761–1854), einer Schülerin von W.F. Bach, begründet wurde, aber auch um die neue jüdische Synagogenmusik und deren Protagonisten Louis Lewandowski (1821–1894), der als junger Mensch von Alexander Mendelssohn unterstützt wurde. Schließlich wurden die Fragen der jüdisch-deutschen bzw. jüdisch-christlichen Identität der Familie Mendelssohn diskutiert.


Fotos: Matthias Reichelt


Gefördert durch die Lotto Stiftung Berlin