Amalie_Beer_Gemaelde_von_Carl_Kretschmar_um_1803_Oel_Leinwand_ Stadtmuseum_Berlin_gemeinfrei

»Amalie Beer (1767–1854) und ihr Berliner Salon«

11. Soirée mit Vortrag, Lesung, Musik und Gespräch
Am 25. Juni 2024 um 19.00 Uhr
Location
zlb, Berlin-Saal
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Breite Str. 36, 10178 Berlin
Eintritt frei

Der Vortrag der 11. Soirée der Ephraim Veitel Stiftung von Dr. Petra Dollinger (München) ist Amalie Beer (1767-1854) und ihrem Berliner Salon gewidmet.

Amalie Beer wurde bekannt als Mutter des Komponisten Giacomo Meyerbeer, des Astronomen Wilhelm Beer und des Dichters Michael Beer, ebenso als große Philanthropin und preußische Patriotin. Sie spielte jedoch auch eine bemerkenswerte Rolle als Gastgeberin ihres Salons, der über Jahrzehnte ein Zentrum insbesondere des musikalischen Lebens in Berlin war. Zu den Gästen zählten nicht nur die Größen der zeitgenössischen Musik- und Theaterwelt, Diplomaten und Literaten, sondern viele Berliner Freunde und Bekannte, darunter auch interessante Vertreter der Familie Ephraim. Der glänzende Rahmen der Geselligkeit kontrastierte auffallend mit der ungezwungenen, herzlichen Art der Gastgeberin. Insbesondere in den temperamentvollen Briefen Amalie Beers an Meyerbeer tritt ihre kluge, energische und humorvolle Persönlichkeit deutlich hervor. Ihr langes Leben verknüpfte die Epoche der Berliner Aufklärung mit der Biedermeierzeit und der Ära König Friedrich Wilhelms IV.

Der Vortrag wird wie gewohnt musikalisch umrahmt und im Anschluss laden wir unsere Gäste ein zu Gesprächen bei Wein, Wasser und Brezeln.

Vortrag: Dr. Petra Dollinger, München
Musik: Rainer Killius (Klavier), Andrea Chudak (Sopran)
Lesungen: Raphaëlle Efoui-Delplanque

Der Vortrag ist Teil des Rahmenthemas der Ephraim Veitel Soiréen 2024, das dem intellektuellen Kreis um die Gründer-Familie Ephraim und der nachfolgenden Generationen gewidmet ist.

(Abb. Vorschaubild: Amalie Beer, Gemälde von Carl Kretschmar, um 1803, Öl/Leinwand,
Stadtmuseum Berlin (ehemals Märkisches Museum), gemeinfrei)



Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum, Berlin


Die Veranstaltung wird gefördert von der Stiftung Preußische Seehandlung.


Bildnis Salomon Maimon, Radierung von Wilhelm Arndt (1767-1813), Universitätsbibliothek Leipzig, Porträtstichsammlung, Inventar-Nr. 31/47

»Salomon Maimon, der Schrecken der Berliner Aufklärung«

10. Soirée mit Vortrag, Lesung, Musik und Gespräch
Am 21. März 2024 um 19.00 Uhr
Location
zlb, Berlin-Saal
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Breite Str. 36, 10178 Berlin
Eintritt frei

In der 10. Soirée hat Dr. Joseph Wälzholz den intellektuellen Kreis um die Gründer-Familie Ephraim für das Publikum erkundet und stellte Salomon Maimon als einen Meister des Dialogs vor.

Salomon Maimon war der Schrecken der Berliner Aufklärung: Ein um 1753 in Polen-Litauen geborenes Wunderkind, das jung verheiratet wurde und mit Anfang 20 seine große Familie verließ, um als Bettler durch Europa zu irren. Ein Außenseiter, Alkoholiker und Provokateur, der in Berlin immer wieder Gönner fand, die er dann regelmäßig beleidigte. Ein Jude, der kein Jude sein wollte, und ein genialer Philosoph, der Kant herausforderte und inspirierte. Seine 1792/93 erschienene »Lebensgeschichte« ist die erste auf deutsch geschriebene Autobiographie eines Juden überhaupt, hier schildert er sein abenteuerliches Leben.
Maimon versuchte immer wieder, einen Dialog zu führen mit orthodoxen ebenso wie mit aufgeklärten Juden, mit orthodoxen ebenso wie mit aufgeklärten Christen. War Maimon vielleicht gerade deswegen, weil er so viel Widerspruch hervorrief, ein Meister des Dialogs? In diesem Vortrag wird Salomon Maimon ausführlich vorgestellt und auch auf seine Herkunft aus Osteuropa näher eingegangen – der Gegend, die heute im Zentrum des Weltgeschehens steht.

Der Vortrag wurde wie gewohnt musikalisch umrahmt.

Vortrag: Dr. Joseph Wälzholz , München
Musik: Florian Burgmayr (Akkordeon, Tuba)
Lesungen: Paul Sonderegger

Der Vortrag war Teil des Rahmenthemas der Ephraim Veitel Soiréen 2024, das dem intellektuellen Kreis um die Gründer-Familie Ephraim und der nachfolgenden Generationen gewidmet ist.


Hier der Link zum (leicht überarbeiteten) Vortragsskript, erschienen am 21. Mai 2024 im Blog der Zeitschrift Merkur.


Fotos: Matthias Reichelt


Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum, Berlin


Die Veranstaltung wurde gefördert von der Stiftung Preußische Seehandlung.


Felix Eberty: Die Gestirne und die Weltgeschichte. Gedanken über Raum, Zeit und Ewigkeit, Verlag von Gregor Rogoff, Berlin 1923

»Felix Eberty: Ephraim-Urenkel - Einstein-Inspirator«

9. Soirée mit Vortrag, Lesung, Musik und Gespräch
Am Dienstag, 14. November 2023 um 19.00 Uhr
Location
zlb, Berlin-Saal
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Breite Str. 36, 10178 Berlin
Eintritt frei

In der 9. Soirée der Ephraim Veitel Stiftung hat Prof. Dr. Karl Clausberg (Hamburg) Felix Eberty, ein weiteres Familienmitglied der Ephraims, vorgestellt.

Felix Eberty war ein Multitalent und Wanderer zwischen Kulturen. Seine Schrift »Die
Gestirne und die Weltgeschichte« hat in diversen wissenschaftlich-fiktionalen Bereichen
prägende Spuren hinterlassen. Sie beeindruckte Einstein, regte die theoretische Biologie
Karl Ernst von Baers und Uexkülls an und brachte auch Benjamins »Engel der Geschichte«
auf den Weg.
Der Vortrag wurde wie gewohnt musikalisch umrahmt.

Vortrag: Prof. Dr. Karl Clausberg, Hamburg
Musik: Matt Rubenstein, Klavier
Lesungen: Claus-Dieter Fröhlich

Den gesamten Vortrag lesen (PDF)

Fotos: Matthias Reichelt


Eine Kooperation der Ephraim Veitel Stiftung mit der Stiftung Stadtmuseum, Berlin


Gefördert durch die Lotto Stiftung Berlin


Prinzessin Anna Amalia von Preußen, Porträt von Antoine Pesne (1683-1757), Abb. gemeinfrei

»Das verlorene Portrait – Veitel Heine Ephraim und der preußische Hof«

8. Soirée mit Vortrag, Lesung, Musik und Gespräch
Am Dienstag, 6. Juni 2023 um 19.00 Uhr
Location
zlb, Berlin-Saal
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Breite Str. 36, 10178 Berlin
Eintritt frei

In der 8. Soirée der Ephraim Veitel Stiftung begab sich Prof. Dr. Karl E. Grözinger, Vorsitzender der Ephraim Veitel Stiftung, mit seinem Vortrag auf eine spannende Spurensuche.

Das verlorene Portrait von Veitel Heine Ephraim, leerer Bilderrahmen, Modell: „Schloss Augustusburg“, Abb. gemeinfrei
Das verlorene Portrait von Veitel Heine Ephraim, leerer Bilderrahmen, Modell: „Schloss Augustusburg“, Abb. gemeinfrei

Prinzessin Anna Amalia von Preußen, Porträt von Antoine Pesne (1683-1757), Abb. gemeinfrei
Prinzessin Anna Amalia von Preußen, Porträt von Antoine Pesne (1683-1757), Abb. gemeinfrei

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine chronique scandaleuse umgibt das verlorene Portrait von Veitel Heine Ephraim, dem erfolgreichen Münzentrepreneur, Fabrikanten, Bankier und Ältesten der preußischen Judenschaft. Das verlorene Bild wurde an diesem Abend mit Hilfe von Anekdoten, Fakten und Geschichten aus Familie, Geschäft und Beziehungen zum Hof und insbesondere zu Friedrich II. wie seiner Schwester, Prinzessin Anna Amalia von Preußen, rekonstruiert.
Veitel war Aufklärer, traditionell wie Mendelssohn, fürsorglicher Familienvater, Fürsprecher der Juden und zugleich unter der Knute eines Königs, der die Juden hasste und bis aufs Blut auszusaugen suchte. Ein stolzer Jude, der dennoch versuchte, einen jüdischen Finanzadel in Preußen zu begründen.
Der Vortrag wurde wie gewohnt musikalisch umrahmt.

Vortrag: Prof. Dr. Karl E. Grözinger, Vorsitzender der Ephraim Veitel Stiftung
Musik: Christiane Stier, Querflöte und Frauke Jörns , Klavier
Lesungen: Raphaëlle Efoui-Delplanque

Den gesamten Vortrag lesen (PDF)

Fotos: Thomas Rosenthal


Eine Kooperation der Ephraim Veitel Stiftung mit der Stiftung Stadtmuseum, Berlin


Gefördert durch die Lotto Stiftung Berlin


Giacomo Meyerbeer Lithographie von Josef Kriehuber 1847

»Giacomo Meyerbeer und Richard Wagner«

7. Soirée mit Vortrag, Lesung, Musik und Gespräch
Am Donnerstag, 16. März 2023 um 19.00 Uhr
Location
zlb, Berlin-Saal
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Breite Str. 36, 10178 Berlin
Eintritt frei

Die 7. Soirée der Ephraim Veitel Stiftung, ein Vortrag von Prof. Jascha Nemtsov mit Lesungen und Musik, wurde gemeinsam mit der Meyerbeer-Gesellschaft e.V. (Berlin) organisiert.

Das Verhältnis zwischen Richard Wagner (1813-1883) und Giacomo Meyerbeer (1791-1864) ist in der Musikgeschichte einzigartig. Meyerbeer hatte als erster renommierter Musiker Wagners Talent erkannt und ihn dann großzügig materiell und moralisch unterstützt. Wagner wurde von Meyerbeer mehrfach protegiert und an verschiedene Opernhäuser empfohlen, was schließlich seinen Durchbruch als Komponist und Dirigent in Dresden bewirkte. Wagner wurde aber auch künstlerisch von Meyerbeer inspiriert und in der Öffentlichkeit durchaus als dessen Schüler angesehen. So war es eine Art musikalischer „Vatermord“, den Wagner mit seiner antisemitischen Diffamierungskampagne beging. Diese Kampagne trug letztlich wesentlich zu einer fast vollständigen Auslöschung Meyerbeers, des bedeutendsten und erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit, aus dem internationalen Repertoire bei.
Der Pianist und Musikwissenschaftler, Professor für Geschichte der jüdischen Musik an der Musikhochschule Weimar Jascha Nemtsov beleuchtete in seiner Präsentation verschiedene Facetten der komplexen Beziehung zwischen beiden großen Musikern.
In der Interpretation der Sopranistin Alice Lackner und mit Jascha Nemtsov am Klavier erklangen Kompositionen von Meyerbeer und Wagner.

>>Programm lesen


Fotos: Matthias Reichelt


Eine Kooperation der Ephraim Veitel Stiftung mit der Stiftung Stadtmuseum, Berlin


Logo der Giacomo-Meyerbeer-Gesellschaft e. V. (Berlin)

In Kooperation mit der Giacomo-Meyerbeer-Gesellschaft e. V. (Berlin):

Giacomo-Meyerbeer-Gesellschaft e.V.
c/o Thomas Kliche
Seumestr. 25
10245 Berlin
https://meyerbeer-gesellschaft.de/
thomas.kliche@meyerbeer-gesellschaft.de


Gefördert durch die LOTTO-Stiftung Berlin


Lesser Ury: Bildnis Abraham Geiger, um 1905, Pastell auf Pappe, Abb. gemeinfrei (http://www.zeno.org/nid/20004346084)

»Leopold Zunz und Abraham Geiger als Vorkämpfer für die Reform des jüdischen Gottesdienstes«

Soirée mit Vortrag, Lesung, Musik und Gespräch
Am 22. November 2022, von 19.00 - 21.30 Uhr
Location
zlb, Berlin-Saal
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Breite Str. 36, 10178 Berlin
Eintritt frei

In der Veranstaltung im Herbst 2022 hielt Dr. Klaus Herrmann (Freie Universität Berlin, Institut für Judaistik) einen Vortrag zum Thema »Reform und Wissenschaft im Judentum des 19. Jahrhunderts. Leopold Zunz und Abraham Geiger als Vorkämpfer für die Reform des jüdischen Gottesdienstes«.

Die Anfänge der jüdischen Reformbewegung und das Aufkommen der Wissenschaft des Judentums stehen in einem engen inneren Zusammenhang, sind doch ihre Protagonisten weithin identisch. Auch wenn die Tätigkeit von Leopold Zunz (1794-1886), dem eigentlichen Begründer der Wissenschaft des Judentums, als Prediger am Beerschen Reformtempel in Berlin und damit seine aktive Rolle in der Reformbewegung eine recht kurze Zeitspanne umfasste, so hat er doch zeit seines Lebens die Modernisierung der religiösen Praxis, gerade auch wie sie von Abraham Geiger (1810-1874), dem wohl bedeutendsten Reformrabbiner des 19. Jahrhunderts, vertreten wurde, kritisch begleitet.

Portrait Leopold Zunz, vermutlich von Moritz Daniel Oppenheim, gemeinfrei (https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=494741)
Portrait Leopold Zunz, vermutlich von Moritz Daniel Oppenheim, gemeinfrei (https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=494741)

Im dem Vortrag ging es jedoch weniger um die Wissenschaft des Judentums als solcher oder um bestimmte Aspekte von Zunzens und Geigers ausgesprochen vielseitigen wissenschaftlichen Tätigkeiten als vielmehr darum, dass die jüdische Reformbewegung sowie die Wissenschaft des Judentums im Kontext protestantischer Mehrheitskulturen entstanden sind.
Auch die Biographien von Zunz und Geiger stehen in diesem Spannungsfeld zwischen der Anziehungskraft der protestantisch geprägten Mehrheitskultur und ihrem Antagonismus gegen den Geltungsanspruch dieser Leitkultur, wobei sich dieses Spannungsfeld seinerseits in heftigen, zwischen Zunz und Geiger geführten Kontroversen über Wissenschaft und Reform im Judentum entladen konnte. Für den Vortrag haben daher auch die Lebenserinnerungen, die Privatkorrespondenzen sowie wenig beachtete und zum Teil noch unedierte Archivalien Berücksichtigung gefunden, die in nuce die inneren Konflikte um die Neudefinition jüdischer Identität in der Moderne zeigen und bisweilen einen starken Anpassungsdruck an die protestantische Mehrheitskultur zum Ausdruck bringen. Die Familiengeschichte der Ephraims in Berlin lässt nur zu gut erkennen, wie sehr dieser Anpassungsdruck als Konversionsdruck wirken konnte.

Lesser Ury: Bildnis Abraham Geiger, um 1905, Pastell auf Pappe, Abb. gemeinfrei (http://www.zeno.org/nid/20004346084)
Lesser Ury: Bildnis Abraham Geiger, um 1905, Pastell auf Pappe, Abb. gemeinfrei
(http://www.zeno.org/nid/20004346084)

Im Blick auf die Reform ging es in dem Vortrag vor allem um jüdische Gebetbücher, Predigten, jüdische Konfirmationen für Jungen und Mädchen, Katechismen und, nicht zuletzt, um Orgel und Chorgesang. Für die musikalische Modernisierung des jüdischen Gottesdienstes im 19. Jahrhundert stehen vor allem die Namen der großen jüdischen Komponisten Salomon Sulzer (1804-1890) in Wien und Louis Lewandowski (1821-1894) in Berlin, die die synagogale Musik bis heute in entscheidender Weise geprägt haben. Doch als die Reform in Seesen im Jahre 1810 begann, gefolgt von Berlin (1815) und Hamburg (1817), war Lewandowski noch nicht geboren und Sulzer gerade einmal sechs Jahre alt. Die Neuorientierung des synagogalen Gesangs an protestantischen Chorälen in der Frühphase der Reform sowie die von Sulzer und Lewandowski forcierte Rückkehr zur traditionellen, wenngleich dem europäischen Zeitgeschmack angepassten Synagogalmusik haben diesen Vortrag musikalisch umrahmt.

 

Vortrag: Dr. Klaus Herrmann, Freie Universität Berlin, Institut für Judaistik
Lesungen: Claus-Dieter Fröhlich
Musik: Alte und neue Aufnahmen auf Schallplatte und CD

Den gesamten Vortrag lesen (PDF)

Fotos: Matthias Reichelt


Eine Kooperation der Ephraim Veitel Stiftung mit der Stiftung Stadtmuseum, Berlin


Gefördert durch die Lotto Stiftung Berlin


Felix Mendelssohn Bartholdys, 1846, Ölgemälde von Eduard Magnus (1799—1872), Staatsbibliothek zu Berlin

»Zwischen Bach und Klesmer: Die Familie Mendelssohn und das jüdische Musikleben im Berlin der 1830er Jahre«

Musik-Werkstatt mit Konzert und Gespräch

Sonntag 12. Juni 2022
16.00-18.00 und 19.00-21.00 Uhr

Location:
Alexander und Renata Camaro Stiftung, Berlin
Potsdamer Straße 98A, 10785 Berlin
Eintritt frei


Jascha Nemtsov, Klavier, Vortrag und Moderation
Nur Ben Shalom, Klarinette

»Er ist ein wahres Phänomen; – ein Mordskerl, der an Vortrag und Fertigkeit keinem Virtuosen der Welt nachzustehen braucht… Übrigens habe ich mich seit langer Zeit in einem Concert nicht so unterhalten, wie in diesem, weil er eben ein wahres Genie ist«. Die enthusiastischen Worte Felix Mendelssohns an seine Mutter sind insofern außergewöhnlich, als sie einem Volksmusikanten gelten, der keine Musikausbildung genoss und nicht einmal die Noten kannte: Michael Joseph Gusikow (1806–1837) war ein jüdischer Klezmer, der 1835 nach Westeuropa kam. Durch Mendelssohns Vermittlung wurde damals Gusikows Gastspiel in Berlin organisiert.

Der Workshop und das anschließende Konzert thematisierten außerdem mehrere weitere Aspekte der Berliner jüdischen Musikkultur jener Zeit, die alle mit der Familie Mendelssohn verknüpft waren. Es ging nicht zuletzt um den Bach-Kult, der in der Familie Mendelssohn von Sara Levy, geb. Itzig (1761–1854), einer Schülerin von W.F. Bach, begründet wurde, aber auch um die neue jüdische Synagogenmusik und deren Protagonisten Louis Lewandowski (1821–1894), der als junger Mensch von Alexander Mendelssohn unterstützt wurde. Schließlich wurden die Fragen der jüdisch-deutschen bzw. jüdisch-christlichen Identität der Familie Mendelssohn diskutiert.

Den gesamten Vortrag lesen (PDF)

Fotos: Matthias Reichelt


Gefördert durch die Lotto Stiftung Berlin


Moses_Mendelssohn_1771_nach-Anton-Graff-by-James-Steakley

Der Philosoph Moses Mendelssohn aus Berlin

5. Soirée mit Vortrag, Lesung, Musik und Gespräch
Am 02. Juni 2022, 19.00-21.30 Uhr
Location:
zlb, Berlin-Saal
Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Breite Str. 36, 10178 Berlin
Eintritt frei

Vortrag
Stephen Tree
Der Philosoph in der Großstadt: »Moses Mendelssohn aus Berlin«

Der Sage nach ist er kurz nach der Barmizwa, mit vierzehn Jahren, als armer »Bocher« und Bettelstudent zu Fuß in die Großstadt gewandert, in der er sein ganzes erwachsenes Leben verbringen sollte, wo er, wie auf seinem Grabstein vermerkt, als »Chochem«, als der Weise, »Reb Mausche Dessau« begraben wurde, oder, wie ihn die Königlich-preußische Akademie nach Mendelssohns Gewinn ihres philosophischen Preisausschreibens mit seinem selbst gewählten Nachnamen (und zunächst nur einem »S«) bezeichnet hat: »Moses Mendelsohn aus Berlin«.

 

Moses_Mendelssohn_in_Potsdam_1792
Moses Mendelssohn in Potsdam, 1792

Eine Stadt, die damals unter seinem »gnädigen König« Friedrich II. auf kulturellem Gebiet denselben europäischen Rang zu erobern versuchte, wie dies Preußen gerade mit militärischen Mitteln tat, und zu deren Ruhm er als »fameux juif«, als der »berühmte Moses Mendelssohn« – so ein an ihn gerichtetes königlich-preußisches Sendschreiben – ebenso beigetragen hat wie als Geschäftsführer einer florierenden Seidenmanufaktur zu ihrer Wirtschaftskraft. Eine Stadt, in der er zugleich den eigenen halbwegs gesicherten Aufenthaltsstatus (III. Klasse, nicht an Frau und Kinder vererbbar) nur den wiederholten Bemühungen des freigeistigen Denkers und königlichen Günstlings Marquis D’Argens zu verdanken hatte, und, wie mehrfach bezeugt, jederzeit judenfeindlichen Pöbeleien und Beschimpfungen ausgesetzt war.

Eine Zeitreise in Mendelssohns Berlin mit Originaldokumenten und Textausschnitten – umrahmt und begleitet von der Musik der Epoche sowie seiner nachgeborenen musikalischen Enkelkinder Fanny und Felix.

Vortrag: Stephen Tree
Klavier: Jascha Nemtsov
Lesungen: Claus-Dieter Fröhlich

Den gesamten Vortrag lesen (PDF)

Fotos: Matthias Reichelt


Eine Kooperation der Ephraim Veitel Stiftung mit der Stiftung Stadtmuseum, Berlin


Gefördert durch die Lotto Stiftung Berlin


Archivalie Universität

Die erste jüdische Universität in Berlin (1856)

Ein Vortrag von Prof. Dr. Karl E. Grözinger, Vorsitzender der Ephraim Veitel Stiftung, mit Lesungen und Musik - 4. Soirée der Ephraim Veitel Stiftung

  • Ort: Museum Nikolaikirche, Nikolaikirchplatz, 10178 Berlin
  • Termin: Samstag, 9. Oktober 2021


Die erste jüdische Hochschule Berlins wurde 1856 von den Stiftungen der Hofjuweliersfamilie Ephraim gegründet, und zwar nachdem die Berliner Universität die Einrichtung eines Lehrstuhls oder von Dozenturen für jüdische Geschichte und Literatur ablehnte, trotz einer Finanzierungszusage der Ephraimschen Stiftungen. An der „Veitel Heine Ephraimschen Lehranstalt“ unterrichteten und studierten berühmte Gelehrte der Wissenschaft des

Vorlesungsankuendigunng in der AZ des Judenthums 1862
Abb. Vorlesungsankündigung in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, 9. September 1862

Judentums wie Leopold Zunz, Moritz Steinschneider, Theodor Haarbrücker, Abraham Geiger und Fürchtegott Lebrecht. Studenten der Lehranstalt wie Salomon Schechter, Claude Montefiori, Ignaz Goldziher oder Immanuel Loew wurden zu den führenden Köpfen des Judentums. Ein berühmter christlicher Student war der spätere Professor Hermann Leberecht Strack, er war der Begründer des „Institutum Judaicum“ an der Berliner Universität.

 

Thema des Vortrags ist die Begründung der ersten Berliner jüdischen Hochschule nach universitären Kriterien, die im Blick auf Lehrkräfte und Studierende die Mutterinstitution der späteren Hochschule für die Wissenschaft des Judentums war. Der Umwandlung des schon vor 1774 von Veitel Heine Ephraim gegründeten traditionellen Bet ha-Midrasch in eine akademische Einrichtung ging ein zwanzigjähriges Ringen innerhalb der Stifterfamilie voran, die zum Teil das Christentum annahm, sowie nach außen mit den preußischen Behörden, der Berliner Universität und den Gelehrten der Wissenschaft des Judentums.

Dies wird detailreich anhand bisher kaum beachteter Quellen der ehemals preußischen Archive in Berlin und Brandenburg dargestellt. Akten aus den Archiven beschreiben die Anliegen der jüdischen Antragsteller, die Reaktionen von Universität und Ministerien und die Unsicherheiten der frisch getauften Ephraims im Ringen mit ihren dem Judentum treu gebliebenen Verwandten und Partnern. Die aus den historischen Dokumenten erkennbaren Debatten beleuchten die religiösen, kulturellen, traditionsgebundenen und modernistischen Kräfte, von welchen die damalige Berliner Judenschaft zerrissen war und aus denen schließlich die Scheidewege zwischen Orthodoxie, Reform und Apostasie hervorgingen.

Begleitet wurde der Vortrag von musikalischen Beiträgen aus der Zeit, die zwischen dem Klesmer Michael Gusikow, Kantoralem und Stücken von Mendelssohn und Meyerbeer variieren.

Orgel: Dr. Jakub Sawicki, Dom-Organist am Berliner Dom
Gesang: Isidoro Abramowicz, Kantor und Musikdirektor der Synagoge Pestalozzistraße-Berlin, Jüdische Gemeinde zu Berlin
Lesungen: Kim Bormann, Schauspielerin


Vortrag
Prof. Dr. Karl E. Grözinger
Die erste jüdische Universität in Berlin (1856)

Thema des Vortrags ist die Begründung der ersten jüdischen Hochschule Berlin – die 1856 von den Stiftungen der Hofjuweliersfamilie Ephraim gegründet wurde – nach universitären Kriterien, die im Blick auf Lehrkräfte und Studierende die Mutterinstitution der späteren Hochschule für die Wissenschaft des Judentums war.

Den gesamten Vortrag lesen (PDF)

Fotos: Matthias Reichelt


 

Die Soirée fand statt in Kooperation der Ephraim Veitel Stiftung mit der Stiftung Stadtmuseum, Berlin und im Rahmen der bundesweiten Veranstaltungsreihe „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ (#2021JLID).
Weitere Information dazu unter: https://2021jlid.de/


Titelblatt Vossischen Zeitung vom 8. April 1866, Staatsbibliothek Berlin ZEFYS

Ein Stammbuch von Giacomo Meyerbeer

Karl E. Grözinger

Eine jüdisch-christliche Gesellschaft Berlins zu Beginn des 19. Jahrhunderts
– Beer, Meyerbeer, Ephraim, Salonbesucher –

Ein Bericht in der Vossischen Zeitung vom 8. April 1866

Am Sonntag den 8. April 1866 brachte die hochangesehene Berliner Vossische Zeitung zum zweiten Todestag von Giacomo Meyerbeer einen Essay zu einem sehr intimen Familiendokument des gefeierten jüdischen Berliner Pianisten, Komponisten und Generalmusikdirektors Meyer Beer.

 

Giacomo Meyerbeer_Ölgemälde_von_Karl Schmidt_1832_Stadtmuseum Berlin
Portrait Giacomo Meyerbeer, Ölgemälde von Karl Schmidt, 1832, Stadtmuseum Berlin

Es ist das Poesiealbum des damals Neunzehnjährigen, das ihm Freunde und Verwandte aus Anlass seiner Abreise aus Berlin am 1. April 1810 schrieben. Der Verfasser des Zeitungs-Artikels ist der Sohn eines Cousins von Meyerbeer, der bekannte Arzt, Begründer und Generalsekretär des 1865 ins Leben gerufenen Vereins für die Geschichte Berlins, Dr. Julius Beer, der das Album – man nannte es damals »Stammbuch« – von seinem Vater geerbt hatte.

Die Einträge in diesem Stammbuch, dessen Original heute in der Berliner Staatsbibliothek liegt, sind nicht nur ein Spiegel der illustren Salon-Gesellschaft des Hauses Beer, sie sind zugleich ein Dokument der sonst wenig bekannten verwandtschaftlichen Beziehungen der Hofjuweliersfamilie Ephraim mit der Familie Beer / Meyerbeer.

Portrait Moritz Ebers (Meier Moses Ephraim)
Portrait Moritz Ebers (geb. als Meyer Moses Ephraim), Ölgemälde (wahrscheinlich von Johannes C. H. Kretschmar), Privatbesitz, Foto: Ulrich Worbs (Mit freundlicher Genehmigung von Karin Ebers-Schultz)

 

Man trifft hier auf eine Gesellschaft im Ringen zwischen jüdischer Tradition und europäisch-christlicher Kultur, bei der die letztere schon weitgehend den Sieg davongetragen hat, wofür gerade der Eintrag eines Textes von Moses Mendelssohn durch dessen Schüler und Generaldeputierten des preußischen Judentums David Friedländer zeugt.

Die Widmungstexte sind Indiz für die Bildungsstandards dieser Gesellschaft, in der fundierte humanistische Bildung auf die Kultur der französischen Kolonie und das bunte Vielerlei der Musik- und Theaterleute trifft, aber auch auf die bürgerliche Halbkultur der anthologischen Gebrauchsliteratur, sowie Ansätze eines romantischen Individualismus.

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